{"id":996,"date":"2014-01-24T14:09:01","date_gmt":"2014-01-24T14:09:01","guid":{"rendered":"http:\/\/alexanderkobs.de\/?p=996"},"modified":"2018-03-05T20:02:42","modified_gmt":"2018-03-05T20:02:42","slug":"egon-muller-der-tausendsassa-des-motorsports","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/alexanderkobs.de\/?p=996","title":{"rendered":"Egon M\u00fcller: Der Tausendsassa des Motorsports"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/alexanderkobs.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/egonmueller127_v-contentgross.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-997\" title=\"egonmueller127_v-contentgross\" src=\"http:\/\/alexanderkobs.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/egonmueller127_v-contentgross.jpg\" alt=\"\" width=\"590\" height=\"332\" srcset=\"http:\/\/alexanderkobs.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/egonmueller127_v-contentgross.jpg 568w, http:\/\/alexanderkobs.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/egonmueller127_v-contentgross-300x169.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/a> Egon M\u00fcller wollte immer ganz nach vorne. Foto: imago\/ndr.de<\/p>\n<p>Erschienen bei: <a href=\"http:\/\/www.ndr.de\/sport\/legenden\/egonmueller121_page-1.html\" target=\"_blank\">ndr.de<\/a><\/p>\n<p><strong>4. September 1983: das Motodrom &#8211; ein Hexenkessel. 35.000 begeisterte Motorsportfans sind in die ostfriesische Gemeinde Halbemond bei Norden gekommen und wollen das Weltmeisterschaftsfinale im Speedway sehen. Die meisten sind wegen Egon M\u00fcller hier. <\/strong>Blondes, lockiges Haar, glitzernder Brilli im Ohr, sympathische Ausstrahlung. Ein Typ &#8222;Marke Sunnyboy&#8220;. Er ist der Lokalmatador, er hat das Publikum an diesem Sonntag hinter sich. In Kiel geboren, 34 Jahre alt und mit der gro\u00dfen Chance, als erster deutscher Fahrer Speedway-Weltmeister zu werden. <!--more-->Startschuss: M\u00fcller kommt nicht weg. Er f\u00e4llt zur\u00fcck, kann aber mit einem riskanten Man\u00f6ver in der ersten Kurve wieder auf Platz zwei vorr\u00fccken &#8211; hinter Hans Nielsen. Der D\u00e4ne dominiert das Finale, f\u00e4llt aber vor der letzten Runde aus.<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=yzW46-nW4BI\" target=\"_blank\"> M\u00fcller zieht vorbei und \u00fcberquert kurz darauf mit hochgezogenem Vorderrad die Ziellinie<\/a>. Sieg. Der neue Weltmeister mag es spektakul\u00e4r &#8211; nicht nur an diesem Tag.<\/p>\n<p><strong>Mit 150 km\/h in die Kurve<\/strong><\/p>\n<p>Bis heute ist M\u00fcller der einzige deutsche Speedway-Weltmeister. Eine Sportart, die heute fast in Vergessenheit geraten ist. M\u00fcller ist ein Unikum in der Motorrad-Szene. Ein Ausnahmeathlet der 1970er und 1980er Jahre. Bahnrennen mit Motorr\u00e4dern. Beschleunigen &#8211; nicht bremsen. Mit bis zu 150 km\/h legen sich die Piloten in die Kurven. Ein Teufelsritt auf Gras- oder Sandpisten. Nur die k\u00fchnsten und mutigsten Fahrer gewinnen. M\u00fcller geh\u00f6rt dazu. Neben dem Titel im Speedway, der Kurzstrecke, gewinnt er dreimal auf der Langstrecke. Insgesamt feierte er 785 Rennsiege, ist achtfacher Europameister und 17-facher Deutscher Meister. In seiner Karriere hielt er zwischenzeitlich 33 Bahnrekorde und drei Geschwindigkeitsrekorde. &#8222;Mich konnten fast zwei Jahrzehnte lang eigentlich nur ein Kettenriss, ein Gasseilriss, ein abgebrochener Spritschlauch oder irgendeine kaputte Z\u00fcndkerze stoppen. Niemals Gegner&#8220;, blickt der 65-J\u00e4hrige heute zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>J\u00fcngster Spross einer Artistenfamilie<\/strong><\/p>\n<p>Er konnte sich durchbei\u00dfen. Das lernte er schnell. Als j\u00fcngstes Kind einer Artistenfamilie mit zw\u00f6lf Geschwistern w\u00e4hlte er fr\u00fch das Zweirad als seinen st\u00e4ndigen Begleiter. &#8222;Alle haben irgendwas gekonnt im Zirkus. Ich hatte \u00fcberlegt: Was kann ich denn? Ich kann am besten mit dem Fahrrad fahren. Also bin ich dann schon die Prinzenstra\u00dfe in Eckernf\u00f6rde runtergefahren mit einem Fu\u00df auf dem Sattel und einem auf dem Lenker. Und das r\u00fcckw\u00e4rts&#8220;, erinnert er sich. Mit elf Jahren bekam er vom Vater sein erstes Motorrad &#8211; besorgt vom Schrottplatz f\u00fcr f\u00fcnf Mark. M\u00fcllers Leidenschaft war geweckt, er bastelte n\u00e4chtelang an seiner Maschine und legte los. Ein erster Stunt \u00fcber das Dach einer Gartenlaube, der erste Start bei einem Gel\u00e4nderennen &#8211; wohlgemerkt ohne F\u00fchrerschein -, und das erste Sandbahnrennen. Zun\u00e4chst nur als Zuschauer.<\/p>\n<p><strong>Eine Flasche Whiskey gibt den Ausschlag<\/strong><\/p>\n<p>Das Rennen auf der Sandbahn fixt ihn an. Adrenalin schie\u00dft durch seinen K\u00f6rper. Faszination. &#8222;Wenn ich da mitfahre, w\u00fcrde ich niemals Letzter werden&#8220;, sagt M\u00fcller zu seinen Kumpels. Die setzten dagegen. Wetteinsatz: eine Flasche Whiskey. Beim n\u00e4chsten Rennen meldet sich M\u00fcller an &#8211; und wird Zweiter. Den guten Tropfen l\u00e4sst er sich schmecken, genauso wie den tosenden Applaus von den R\u00e4ngen. M\u00fcller will mehr, er will ganz nach oben aufs Treppchen. Deswegen arbeitet er hart an sich und schraubt weiter an seinem Gef\u00e4hrt. Er meldet sich zu weiteren Rennen an, gewinnt und verdient damit gutes Geld.<\/p>\n<p><strong>Vier Rennen in einer Woche<\/strong><\/p>\n<p>Speedway ist damals in aller Munde, die Rennen locken mehrere Zehntausend Zuschauer in die Stadien. Und M\u00fcller ist der aufkommende Star der Szene. Er wei\u00df seine Popularit\u00e4t zu nutzen: Gagen zwischen 5.000 und 10.000 Mark soll er pro Start kassieren. Einmal auch 24.000 Mark in Kopenhagen. Doch dieses Geld l\u00e4sst er nach dem Tanken im Portemonnaie auf dem Autodach liegen, sagt er. Der Tausendsassa ist fortan besessen von &#8222;seinem&#8220; Sport. Teilweise f\u00e4hrt er viermal in der Woche. Nicht nur in Deutschland, auch in Australien oder England.<\/p>\n<p><strong>67 Knochenbr\u00fcche in 33 Jahren<\/strong><\/p>\n<p>Die Zuschauer lieben ihn. M\u00fcller hatte den Hang zum Verr\u00fcckten, war f\u00fcr seinen ber\u00fcchtigten Fahrstil bekannt. Das blieb nicht ungestraft: In 33 Profi-Jahren zog er sich 67 Knochenbr\u00fcche zu. Auch bei einem Rennen in Bayern ging es hart zur Sache: &#8222;Ich bin danach die ganze Nacht mit dem Auto nach Kiel hochgefahren. Habe den Arm und den Fu\u00df aus dem Fenster raush\u00e4ngen lassen, um das zu k\u00fchlen, damit ich das \u00fcberhaupt aushalte&#8220;, sagt M\u00fcller. Er bereut nichts. Gar nichts. Auch ein folgenschwerer Renn-Unfall seines Sohnes Dirk, ebenfalls ein begnadeter Speedway-Fahrer, konnten M\u00fcller nicht von seinem Weg abbringen. Sein Filius lag nach dem Unfall neun Tage im Koma, w\u00e4re fast gestorben. &#8222;Daran ist meine erste Ehe zerbrochen&#8220;, hat M\u00fcller einmal erz\u00e4hlt. &#8222;Meine Frau wollte, dass ich aufh\u00f6re, aber das konnte ich nicht.&#8220; Sie trennten sich, sp\u00e4ter heiratete er sie aber ein zweites Mal. Nichts konnte ihn aufhalten.<\/p>\n<p><strong>M\u00fcllers Karriere abseits der Rennbahn<\/strong><\/p>\n<p>Auch abseits der Piste startet M\u00fcller durch. Er wei\u00df sich zu vermarkten. Der Weltmeister erobert die Musik-Charts mit Hits wie &#8222;Win the Race&#8220; oder &#8222;Speedway Man&#8220;, arbeitet als Drehbuchberater und schauspielert im &#8222;Tatort&#8220; oder im Kinofilm &#8222;Panische Zeiten&#8220; an der Seite von Udo Lindenberg. Er ist st\u00e4ndig auf Achse &#8211; auch heute noch, nach der Profi-Laufbahn. 1997 ist er sein letztes Rennen gefahren &#8211; mit 49 Jahren. Mittlerweile ist er Rentner, versorgt junge Talente mit frisierten Motoren, betreut Nachwuchsfahrer. Und hat sich einem neuen Hobby verschrieben: M\u00fcller bastelt an Modellflugzeugen. &#8222;Ich glaube, wenn man aufh\u00f6rt und sich auf die Couch setzt, dann stirbt man auch bald&#8220;, sagt er. Egon M\u00fcller, Motorsport-Legende, Schlagerstar, M\u00e4dchenschwarm. Rastlos. Und mit 65 Jahren immer noch so ein Tausendsassa wie in jungen Jahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Egon M\u00fcller wollte immer ganz nach vorne. Foto: imago\/ndr.de Erschienen bei: ndr.de 4. September 1983: das Motodrom &#8211; ein Hexenkessel. 35.000 begeisterte Motorsportfans sind in die ostfriesische Gemeinde Halbemond bei Norden gekommen und wollen das Weltmeisterschaftsfinale im Speedway sehen. Die meisten sind wegen Egon M\u00fcller hier. Blondes, lockiges Haar, glitzernder Brilli im Ohr, sympathische Ausstrahlung. 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